Can’t breathe

Weit weg von jeder Großstadt, in einer kleinen Stadt irgendwo am Land. Ein Einfamilienhaus. Im Erdgeschoss brennt Licht, es sind Gäste da. Durch das Küchenfenster sieht man ein paar Leute das Abendessen herrichten. Wurst auflegen. Käse aufschneiden. Und das Brot noch mal im Ofen aufbacken. Auf der Bank im Eck sitzt ein Mädchen. Sie sitzt ganz still, rührt sich kaum. Weil sie keine Luft bekommt. Weil ihr ganz schwarz vor Augen ist, alles sich dreht. Sie hat gerade eine Nachricht bekommen, die sie gelesen hat, jetzt ist ihr schlecht. Zusätzlich. Jeder fragt, was ist denn los; sorgt sich um sie. Doch sie will nur allein gelassen werden in diesem Augenblick. Weit weg von allen, in einer eigenen Fantasiewelt. Bei den Großeltern ist es staubig, sie ist überempfindlich. Daher wahrscheinlich die Atemnot. Aber das Drehen und die Sterne sind neu, das war letztes Jahr noch nicht. Gedanken macht sie sich trotzdem keine. Wenn der Arzt sagt, es ist alles ok, wird das schon so sein, nicht?
Sie sitzt da, 10 Minuten, 20 Minuten. Irgendetwas nimmt ihr die Luft zum Atmen, drückt auf ihre Brust, sie kann nur schwer die Tränen zurückhalten. Doch sie wird bestimmt nicht zu weinen beginnen, vor all den Leuten. Aber genau das fühlt sich richtig an in dem Moment. Gerade noch rechtzeitig kann ihr Gesicht unter dem Tisch verbergen, sich auf die Sitzbank legen. Egal was alle sagen, sie bleibt liegen. Sicher eine Viertelstunde.
Und dann plötzlich verschwindet der Kloß im Hals, der Druck auf der Brust, der Schwindel. Sie steht auf, verlässt die Küche. Legt sich ins Weihnachtszimmer auf den Boden neben ihre kleine Cousine, die schläft friedlich auf der Krabbeldecke. Legt sich einfach neben sie und schließt die Augen. Auf einmal dreht sich das Baby her, legt wie zufällig den Kopf auf ihre Schulter.
Alles ist wieder gut.
Wenigsten für den Augenblick.

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