Freunde

Es gibt so viele verschiedene Arten von Freundschaft, das ist mir in den letzten Tagen wieder bewusst geworden. Und ich hab wieder einmal erfahren dürfen, was gute Freunde ausmacht. Nicht, dass man sich so oft wie möglich sieht, sich jeden Klatsch und Tratsch erzählt und um quasi jeden Preis die Beziehung erhält. So auf der Ebene ‚bEsT fRiEnDzZz 4 eVaA‘ …
Sondern, dass man auf die Bedürfnisse des anderen eingeht, Kompromisse schließt und wenn man sich endlich wieder trifft, dem anderen alles erzählen kann, ohne Angst haben zu müssen, dass es bald die halbe Welt weiß oder mal gegen einen verwendet wird.

Da gibt es die Art von Freunden, die man schon ewig kennt. Seit der Babyspielgruppe in meinem Fall. Mit denen man aufgewachsen ist, die alle Höhen und Tiefen mit einem erlebt und überstanden haben. Und die man in der Schulzeit nur mehr ein mal im Monat gesehen hat, wenn es hoch gekommen ist. Weil jeder in seiner Klasse einen eigenen Freundeskreis entwickelt hat, gemeinsame Hobbies weggefallen sind. Aber wenn man sich jetzt trifft, merkt man, das sind die Menschen, denen man am meisten vertraut. Die, die dich am besten von allen kennen. Mit denen man im Kaffeehaus sitzt und auf einmal kramt einer der beiden ein uraltes Bild aus und beide fangen fast zu weinen an, weil die gemeinsame Zeit damals so schön war. Und jeder weiß genau, egal, was passiert, wie lange sie sich nicht sehen, dieses Vertrauen, diese Nähe wird immer bestehen.

Oder die Leute, die man schon länger kennt, aber nie viel mit ihnen gemacht hat. Und durch Zufall herausfindet, wie nett sie eigentlich sind. Und anfängt, ihnen viel von seinem Leben zu erzählen, und umgekehrt. Manchmal kann aus solchen Bekanntschaften wertvolle Freundschaften entstehen. Freunde, die man nicht so oft sieht, höchstens 4 oder 5 mal im Jahr. Aber genau dann sind die wichtigsten und wertvollsten Augenblicke. Man vertraut ihnen Dinge an, die sonst keiner weiß und ist sich absolut sicher, dass sie es nie einer Menschenseele erzählen werden. Die Personen, die man mitten in der Nacht anrufen kann, man braucht einen Platz zum Schlafen, die sofort ja sagen, auch wenn du dich ein halbes Jahr nicht gemeldet hast, weil alle so beschäftigt waren. Und die nie auf die Idee kommen würden, dir deshalb böse zu sein, dich zu ignorieren oder dich hängen zu lassen.

Und manchmal tauchen unverhofft Menschen auf, mit denen man von Anfang an eine Verbindung hat, die interessant sind, die man unbedingt kennenlernen will. Und dann eventuell sogar überfordert ist mit der ganzen Situation, weil es so schnell geht, so viel auf einmal passiert. Sich dann zurückzieht in sein Schneckenhaus und langsam, neugierig hervorkommt, Stück für Stück. Aber mit ganz viel Gefühl und Verständnis gelingt es ein paar wenigen, einen da rauszulocken. Solche Freundschaften sind zerbrechlich, sie verlangen viel Geschick sie zu pflegen und zu festigen. Und selbst wenn man manchmal das Gefühl hat, innerhalb einer Sekunde alles zerstören zu können, kommt man im Nachhinein doch drauf, dass es ein gewisses Grundlevel gibt, das einen immer auffängt. Auch „Speicherpunkt“ genannt, von einem bestimmten 🙂
Aber ich bin mir sicher, selbst wenn ich mich bei diesen Leuten auf einmal gar nicht mehr melden würde, ein halbes oder ganzes  Jahr einfach untertauch, sie würden mich immer mit offenen Armen empfangen und sich freuen, dass ich zurück bin.

Diejenigen Freunde, die man schon länger kennt, immer wieder was mit ihnen gemacht hat, die zum weiteren Freundeskreis gehören, sind etwas schwieriger in meinen Augen. Da gibt es Zeiten, da unternimmt man auf einmal wieder 3 Mal die Woche etwas, dann hört man wochenlang nichts voneinander. Und manchmal kommt es vor, dass sich unter diesen Leuten ein oder zwei befinden, die mehr wollen. Und du aber nie auf die Idee gekommen wärst. Aber der Schadensbegrenzung wegen bricht man den Kontakt ab, nicht schweren Herzens, sondern eher traurig, weil man weiß, dem anderen geht es jetzt schlecht. Das ist die beste Lösung, das zeigt die Vergangenheit, die Erfahrung. Durchhalten ist gefragt, nicht antworten, sie quasi gegen die Wand rennen lassen. Wochenlang. Nicht unbedingt das, was man mit Freunden macht, aber manchmal sollte man ihr Wohl über das eigene stellen. Find ich halt. Und nach einiger Zeit geht es meistens wieder. Oder auch nicht. Aber der Extremfall ist mir erst ein Mal, nämlich in den letzten Tagen untergekommen, ich hoff, das wiederholt sich nicht.

Und ich weiß nicht, in wie weit man solche Leute zu Freunden zählen kann, aber es gibt auch noch die Gruppe, die einem einmal sehr viel bedeutet haben, aber genauso schnell aus dem Leben verschwinden wie sie gekommen sind. Diese Art ist genauso intensiv wie sie kurz ist. Man erzählt einander einfach alles, vertraut dem anderen blind, kombiniert mit der rosaroten Brille eine hoch toxische Mischung…
Aber es gibt sie auch, diese Freunde. Die, die man 2 Monate fast jeden Tag sieht, zusammen auf die Uni geht, Kaffee trinkt, lernt und am Abend zusammen fortgeht. Und dann auf einmal hört der Kontakt auf, einer hat eine neue Beziehung, zieht weg oder hat eine neue/n „beste/n FreundIn“. Schade drum, aber nichts zu machen. Das hat man selber im Gespür, ob es sich noch loht, um den Kontakt zu kämpfen, sich noch regelmäßig meldet, trifft und wenigstens oberflächlich unterhält. Aber meistens versiegen auch diese spärlichen Versuche, auch wenn es keiner böse meint, sondern einfach andere Prioritäten hat. Und das sollte eine Freundschaft nun wirklich nicht ausmachen, der Zwang, sich zu treffen, sich bei dem anderen zu melden.

So viele Freundschaften.
Und ich bin mir sicher, ich hab einige vergessen.
So wie ich vieles vergess in letzter Zeit. Ich werd alt.

Aber meinem Grundsatz bleib ich treu. Vertraue niemandem, außer dir selbst. Auch wenn ich ihn in letzter Zeit ein bisschen modifiziert habe. Vertraue, aber niemals zu viel. Und niemandem blind. Ich glaub, das ist zur Zeit der beste Weg.

Und, um das klarzustellen: Ich vertraue mir. Ich sagte nicht, ich bin misstrauisch anderen gegenüber. Ich hab nur so etwas wie gesunden Respekt dem menschlichen Gehirn gegenüber. Niemand weiß wirklich, wie es funktioniert; keiner ist berechenbar.

All mein Handeln, Denken und Tun seh ich als Prophylaxe.

Für mich.

Mit all meinen Mauern.

Mauern werden aus Angst gebaut. 😉

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