Herz, Verstand und was sonst noch so alles dazugehört

Everything happens for a reason. But sometimes the reason is, that you’re stupid and you make bad desicions.

 

A harsh truth, isn’t it?
Irgendwie komm ich immer mehr zu der Überzeugung, dass unser Leben schon gewisser Maßen vorgegeben ist. Und es uns halt überlassen ist, zu entscheiden, wann wir was machen wollen. Aber gemacht muss es werden. So in der Art, ich bin jetzt glücklich, dafür nehm ich in Kauf, dass es mir später schlechter geht. Oder ich bin absichtlich unglücklich, treff  die Entscheidungen mit dem Gehirn, nicht mit dem Herz. Dafür steht mir die Möglichkeit offen, dass mal alles gut wird. So ähnlich wie Karma funktioniert (oder wie ich es verstanden hab, wie es funktionieren soll). Unterm Strich muss wieder Null rauskommen. Die schlechten und guten Zeiten im Leben sollten einander aufwiegen. Sie sollten. Tun sie aber sicher nicht. Ein Indiz dafür, dass nach dem Tod doch noch nicht alles aus ist? Keine Ahnung.

Da gibt es die Entscheidungen, die schon vor längerer Zeit getroffen wurden. Die furchtbar wehgetan haben, am Anfang. Aber mit der Zeit gewöhnt man sich daran. Keine Akzeptanz, dass es so ist, wie es nun mal ist, sondern reine Gewöhnungssache. Das Gehirn blendet bei Reizüberflutung das Gleichbleibende aus. Und immer wieder der Satz, der einen im Geist verfolgt: Wie vielen anderen Menschen geht es doch genauso, wenn nicht schlimmer. Hinter diesem Satz verberge ich mich, seit dem ich klein bin. Als die Diskussionen anfingen. Als ich glaubte, zu bemerken, >sie< hat mich einfach nicht mehr lieb. Damals bedankte ich mich dafür, dass ich gesund war, ein Dach über dem Kopf hatte und die Möglichkeit, zur Schule zu gehen. Ich versuchte schon immer, das Beste in Situationen zu sehen, anstatt unglücklich darüber zu sein, dass es genau mir und nur mir so ging, schon als Kind.
Jetzt gelingt mir das leider nicht immer, aber wenn ich Zeit habe, Entscheidungen zu überdenken und nicht aus dem Affekt heraus handle, bin ich davon überzeugt, gute und rationale Lösungen zu finden. Teilweise.
Im Nachhinein komm ich immer wieder zu dem Schluss, dass es auf lange Sicht gesehen, doch vernünftig ist, dem Verstand zu folgen. Der Mensch ist nicht umsonst ein Sinneswesen der Vernunft. Das unterscheidet uns von den Tieren. Hab ich mal im Philosophieunterricht auswendig lernen müssen. Ob es stimmt, ist eine andere Sache. Aber müsste es fast, wenn ich in der Lage bin, überhaupt darüber nachzudenken, oder?

Ich habe mich verändert. Ist das gut? Weiß nicht. Seitdem ich alleine wohne, unbeeinflusst und frei bin, hab ich den Entschluss gefasst, ein paar meiner Mauern niederzureißen. Mir war alles immer egal, ich war ein Mensch ohne Emotionen, eine Maschine, die perfekt funktioniert hat. Aber ich wollte leben, wollte selber Fehler machen dürfen, überall gegen jede Mauer laufen, in jedes Fettnäpfchen höchstpersönlich hineintreten. Und erleben, wie es so ist, manchmal ein Brett vor dem Kopf zu haben, oder auch sich selber aus verzwickten Lagen befreien zu müssen (in die ich natürlich Hals über Kopf hineingeschlittert bin).
Wie viele Freundinnen schon von mir bei Liebeskummer getröstet wurden, weiß ich nicht. Ich selber hatte in der Gymnasiumzeit zwei Versuche, die ich aber ziemlich schnell beendet hab, wie ich damals bemerkt hab, dass das nicht funktioniert, dass ich mich niemandem öffnen kann. Schon damals hab ich das unfair gefunden, wollte die Armen nicht ausnutzen. Vielleicht hätt ich es machen sollen, wie würde dann mein Leben aussehen? Aber es ging nicht. Sogar jetzt sprech ich von „Versuchen“.
Naja, ich saß immer nur daneben, und selbst wenn alle Taschentücher aufgebraucht waren, der Pullover vollgerotzt war und noch immer kein Ende in Sicht war: mir lief nie auch nur eine einzelne Träne über die Wange ja nicht mal feuchte Augen bekam ich, nicht aus Mitgefühl, nicht wenn es mir selber schlecht ging. Ich war mir selber nicht geheuer, sagte mir, dass kann doch nicht sein, dass mich das so kaltlässt. Aber man muss dazusagen, ich hatte den besten Trainer.
(Jetzt beginn ich sogar bei Filmen manchmal mitzuheulen, das hatte ich vorher auch nicht gekonnt.)

Auch in Graz fiel es mir schwer, aus mir herauszukommen. Ich ging viel fort, aber traute mich nie tanzen, geschweige denn, jemanden anzusprechen. An der Bar alleine was zu bestellen war schon das Höchste der Gefühle.
Dann traf ich IHN. Ein sonniger Tag im Oktober, ich war gerade eingezogen, installierte meinen Router. ER klopfte an die Tür; ungeschminkt, und mit Jogginghose öffnete ich. Was wir redeten, weiß ich nicht mehr genau. Ein Schlüssel, irgend so was organisatorisches. Jedenfalls, sobald ich die Türe geschlossen hatte, konnte ich nicht mehr stehen. Ich sank mit dem Rücken an dem Stück Wand zwischen Tür und Schrank auf den Boden und hielt mir den Kopf. Wie lange ich so saß, weiß ich nicht. Es war schon dunkel, als ich endlich aufstand. Danach sah ich IHN länger nicht, erst durch Zufall begegneten wir uns wieder.

Ich will jetzt nicht die ganze Geschichte erzählen, sie wird noch kommen, Stück für Stück. Worauf ich hinauswill: Seit diesem Moment fallen meine Mauern, meine Sicherheitswälle. Und es hört nicht auf, ich hab es nicht mehr unter Kontrolle. Wenn ich mich selber vergleiche, ich jetzt und ich vor einem Jahr, kann ich nur den Kopf schütteln. Meine alten Freunde sagen, ich sei aufgeblüht. Mein neuer Lebensstil stehe mir.
Hab ich am Anfang auch gefunden. Aber ich hab das Gefühl, ich tapp immer mehr in die Falle. Meine Entscheidungen beruhen nicht mehr nur auf Rationalität, sondern auf Emotionen.

Und im Moment fällt es mir schwer, zu begreifen, dass etwas, das vom Verstand her unbestreitbar richtig ist, so weh tun kann.

Aber ich werde zurückfinden, seit diesem Semester geht es wieder halbwegs. Oder ich täusch mich nur, weil ER wieder in mein Leben getreten ist. Alles kommt mir einfacher vor, ich bin fast unverwundbar. Hab jetzt zwar ein paar Monate, in denen es drunter und drüber geganen ist, gebraucht, um das herauszufinden, aber am Ende kommt immer die Wahrheit ans Licht:

Es war immer ER. Und wird es noch lange sein.

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Falls das jetzt jemand gelesen hat, der mich besser kennt: ja, ich habe jetzt zwei oder mehr Geschichten und damit Gefühle vermischt. Nicht alle Aussagen lassen sich auf eine bestimmte Person beziehen, genausowenig wie auf eine der anderen. Und, das ist Absicht. Also bitte keine falschen Schlüsse ziehen.

Ich bin gerade eine Baustelle, ich hab vor zweieinhalb Jahren beschlossen, mich selber zu renovieren. Und zur Zeit fällt es mir manchmal schwer, das durchzuziehen, ich kipp in alte Muster zurück. Für die dadurch entstandenen Probleme und Missverständnisse entschuldig ich mich. Es tut mir leid. Ich bin noch auf der Suche nach mir selbst. Und ich freu mich über jeden, der mich auf meiner Reise begleitet. Manche vielleicht nicht nur für jetzt, sondern für immer.

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