Real friendship lasts forever.

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Hab heute meine alten Fotos durchgeblättert und bin auf dieses gestoßen. Nichts besonderes, nur zwei Paar Converse. Aber sie repräsentieren für mich die Anfangszeit in Graz. Das Gefühl, alles schaffen zu können. Matura in der Tasche, los gings. Alle Möglichkeiten standen offen. Studium, neuer Freundeskreis. Von Null angefangen.

Geld, soviel ich wollte. Der Preis? Ich sollte mir alles selber organisieren, meine Eltern ja nicht belasten. Und ich hab es mit Bravour gemeistert. Anfangs halt. Bekam fast ein Jahr, nachdem ich mich angemeldet hatte, einen Platz in dem Studentenheim meiner Wahl, gerade rechtzeitig im Oktober. Ich war vorher noch nie in Graz, konnte mich nur auf Websites und meinen Instinkt verlassen. Und ich hab das meiner Meinung nach Beste in ganz Graz gefunden. Und damit einen Teil von meinem neuen Freundeskreis.

Und mit meinem neuen Freundeskreis auch IHN. Und meine damalige beste Freundin, der ich selbst jetzt noch mehr vertraue als vielen, mit denen ich täglich zu tun hab. Diesen Blogeintrag widme ich ihr.

Wie wir uns kennen lernten? Über das Studium, eigentlich. Ich hatte im Heim ein Mädel getroffen, mit dem ich viel unternahm, wir kamen beide aus der gleichen Stadt, studierten das gleiche und hatten auch fast den selben Freundeskreis, zuhause. Mit der Zeit fand ich heraus, dass ihr und mein Charakter nicht so zusammenpassten, weswegen unsere Wege sich bald trennten.
Aber sie wollte unbedingt Leute kennenlernen, so viel wie möglich fortgehn. Schon wochenlang erzählte sie, wir hätten eine Mitstudentin hier im Heim, die auch das gleiche studiere. Ich hatte keine Lust, die andere zu treffen, wie gesagt, ich war ziemlich kontaktscheu und introvertiert. Dann, eines Abends beim Fortgehn, nach der Pinkelparty.

– Schau, wer auch da ist! Das ist die E. 

– Lass uns was zusammen singen. (Karaoke ist immer Mittwochs.)

– Barbie Girl. 

 

Das wird für immer unser Lied sein. Zugegeben, es hat keine tiefere Bedeutung, ist eigentlich so lächerlich wie kindisch, aber wir haben es zusammen betrunken gesungen und werden uns immer dran erinnern.

Ach E., genauso großherzig und mit deiner lieben Art, wie du Leute behandelst, hast du mich damals begrüßt. Und ich war betrunken genug, dass ich darauf einging. (Gott sei Dank.) Am selben Abend sagtest du, dir wäre es auch immer peinlich, wenn du bei Liedern nicht die Texte wüsstest. Und hast mir gleich deinen Geheimtipp verraten: Rhabarber.
Und ich werde nie vergessen, wie wir am Schluss eingehakt die Straße entlanggingen, nach Hause. Damals haben wir gesagt, wir wären die neue Schillerheim-Gang. Wurden wir auch, meiner Meinung nach.

Was dann folgte, waren unzählige gemeinsame Abende, wir gingen in der Früh auf die Uni, kochten zusammen und am Abend setzten wir uns im Stockwerk zusammen und spielten Karten, tranken Bier. Oder wir quatschten einfach. Unser Lieblingsthema? ER. Ja, sie war genau wie ich total in ihn verliebt. Und sie ist es heute noch. Ob ich es noch bin oder nicht, spielt keine Rolle, es ändert nichts.

Das war der Grund, warum wir so schnell so gute Freundinnen wurden. Beide spielten wir Klavier, lasen die selben Bücher und hatten die selben Interessen. Unsere Freundschaft wurde uns so wichtig, das es unbegreiflich ist. Den größten Freundschaftsbeweis bekam ich einen Abend nach einem Heimfest. Alle hatten getrunken und auf einmal nahm ER sie mit in den Klavierraum. ER wollte ihr halt was zeigen, dachte ich, hat ER ja bei mir auch schon öfters gemacht. Aber diesmal war es anders.

Am nächsten Tag ging ich nicht auf die Uni. Ich konnte es einfach nicht. Und wer schrieb am späten Nachmittag, ich solle hinüber kommen? Richtig, E. Als sie mir erzählte, wie glücklich sie sei, wie ich das Strahlen in ihrem Gesicht sah, konnte ich nicht anders.

– Soll ich das Ganze beenden? Wenn du willst, treff ich mich nicht mehr mit ihm. Ich will nicht, dass es dir schlecht geht. (Und schon wieder Tränen in den Augen, vor lauter Mitleid.)

– Nein nein, kein Problem. Ich seh ja, wie glücklich er dich macht. Und ich werd damit leben können. Besser es sind zwei Leute glücklich und einer unglücklich, als dass es Drei mies geht.

(Stille)

– Danke danke danke, du bist die beste Freundin auf der ganzen Welt!

Das war der Augenblick, an dem ich begann, das Glück anderer Menschen über meines zu stellen. Und die darauffolgenden Jahre waren gleichzeitig die schlimmsten und schönsten bis jetzt.

 

Aber zurück zum Foto. Es entstand eines Nachmittags, noch bevor wir überhaupt mit IHM zu tun hatten. Wir waren zum Lernen an den Hilmteich gegangen, an einem dieser späten Herbsttage, wo es gerade noch warm genug ist, um in der Wiese zu sitzen. Mittendrin, in einer Lernpause: Ich brauch unbedingt ein neues Profilbild! (E.) Und so begann die Fotosession. Dann drehte ich mich auf der Decke um und sah unsere Schuhe im Sonnenlicht. Und drückte ab. E.’s Kommentar dazu?

Wie von zwei Kindern, die nie erwachsen werden wollen.

Wie recht sie damit hat. Und selbst jetzt, nach allem was passiert ist:

Ich hab dich lieb. Du bist meine Seelenverwandte. Ich vertrau dir mehr als so vielen, die ich meine Freunde nenn. Du würdest nie einem Menschen absichtlich weh tun, hasst keinen einzigen, versuchst immer alle zu verstehen. Du fängst zu weinen an, wenn dir wer leid tut, wenn du einen Film schaust, auch wenn es nur Monk ist. Bei alten Leuten in der Straßenbahn oder im Alltag bist du die erste, die ihre Hilfe anbietet. Wenn jemand beim Fortgehn allein an der Bar oder auf der Treppe sitzt, gehst du hin und unterhältst dich mit ihnen. Du tröstest wildfremde Menschen.
Du bist in so vielen Bereichen mein Vorbild, ich bewundere und beneide dich.
Um wirklich Vieles.
Aber vor allem
um IHN.

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