Geschichten mit Mauern drum herum

Ich hab heute wieder geschrieben, unsicher, ob ich es veröffentlichen sollte. Eigentlich aber ist dieser Blog genau dafür da, damit solche Texte nicht wieder verschwinden und vergessen werden.

Auf der Zugfahrt, während eines Blickes aus meinem Fenster, ist mir plötzlich der Anfang einer Geschichte in den Sinn gekommen.

Es gab nichts, was P. von anderen Frauen in ihrem Alter grundlegend unterschieden hätte.

Und während ich diesen Satz in meinem Kopf aussprach, formte sich schon ein Neuer. Getrieben von der Welle lies ich meine Gedanken fließen und hatte schon bald eine Geschichte vor mir, die mehr einem Märchen als der Realität ähnelte.  Ein paar Fakten, gemischt mit viel Selbstmitleid, teilweise geschrieben mit reiner Fantasie und Vorstellungskraft.

Trotzdem zögere ich noch, sie zu veröffentlichen. Zu viele von euch kennen mich gut genug, um Parallelen erkennen zu können. Aber nur ganz wenigen, vielleicht auch gar keinem würde es gelingen, zu unterscheiden, was erfunden und was wahr ist.

Genannt habe ich die Figur, über die ich schreibe, „P.“. Warum weiß ich nicht genau, ich vermute wegen der Farben.

Aber jetzt, wo ich mir die Kurzgeschichte immer wieder durchlese, erscheinen mir schon die nächsten Sätze ziemlich persönlich, und enthalten Informationen, die ich normalerweise in einem Gespräch nicht sofort ausplaudern würde. Aber, geschützt durch die Anonymität des Netzes:

Mit ihren 20 Jahren hatte sie erst vier Männer gehabt, zwei davon waren nicht sehr nett zu ihr gewesen. Und ihrem besten Freund hatte sie in den über 3 Jahren bis jetzt noch nicht gebeichtet, dass er ihre erste große Liebe war. Dafür gab es auch gar keinen Anlass, es wäre sowieso aussichtslos gewesen. Er war schon längst mit ihrer besten Freundin liiert. Weil diese damals die Chance ergriffen hatte, anstatt sie sich wie P. entgehen zu lassen.

Schon in diesen paar Zeilen beginnen die Märchen, die sich wie eine Schnur durch den ganzen Text ziehen. Aber ab dieser Stelle wird das Ganze zu persönlich. Ich hab vor, die Geschichte nach und nach zu schreiben, in kleinen Brocken, damit man sich nicht auskennt, Zusammenhänge versteht. Vielleicht werde ich sie aber nie publizieren. Mal sehen. Aber im Gegensatz zu früher hab ich sie gespeichert. Das ist schon mal ein Fortschritt.

butterfly

Ich male gerne Bilder mit meinen Gedanken, schaffe mir meine eigene Welt. Und richte mir dafür alles so aus, wie ich es gerne hätte und sehen würde, auch wenn die Realität anders ist. Selbstbetrug nennt man das, glaub ich. Und ich wage zu behaupten, ich sei Meister darin. Weil für mich die Priorität ist, andere zu schützen. Keiner soll wegen mir verletzt werden, nicht mal, wenn ich selber nicht betroffen bin. Ich versuchen alles so zu drehen und zu wenden, dass die Lösung für die Allgemeinheit die beste ist. Mich vergesse ich darüber und verkriech mich in meine Scheinwelt. In der ich unverletzbar bin, in der ich der Mittelpunkt der Welt bin, in der sich das Universum um mich, nur um mich dreht. Und alle Handlungen und Taten anderer sind einzig auf mich auslegbar, natürlich nur im Positiven. Ich bin mein eigener König.

Und dann gibt es da die Mauern. Hinter ihnen ist die Realität. Und in dieser Welt versuch ich, es allen Recht zu machen. Ich glaube, wenn jeder so wie ich arbeiten würde, die Anderen so behandelte, wie er selbst gerne behandelt werden würde, könnten wir in einer besseren Welt leben; einer glücklicheren.
Und ich sprech jetzt nicht von großartigen Heldentaten, (Geld-)Spenden oder dergleichen, manchmal seinen eigenen Neid und Stolz zu überwinden und auf etwas zu verzichten, weil man weiß, es macht jemanden überglücklich, reicht völlig für den Anfang. Finde ich.

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