Eine Woche

ist es jetzt her, seit dem ich beschlossen hab, Facebook nicht mehr zu nutzen. Wie es mir geht? Voll gut, eigentlich. Viel besser als erwartet.

Dadurch, dass ich nicht immer bestimmte Namen vor Augen hab, denk ich auch nicht länger an die Leute. Sicher, in bestimmten Momenten fällt mir ein, das oder jenes könnt jetzt dem oder der gefallen. Aber – es ist ein seltsames Phänomen: in meinem Kopf herrscht seit langer Zeit Ruhe.

Genug Zeit zum Nachdenken; ich bin ja auch im Bett gelegen die letzten Tage. Und wenn ich es nicht mehr schaff, den Laptop aufzudrehen oder fernzusehen, dann bin ich gezwungen, nachzudenken. Im Halbschlaf hab ich mir Geschichten ausgedacht, einige übrigens ziemlich realistisch. Ich weiß nicht, ob man das als Alpträume einordnen kann, ich tu’s, einfach deswegen, weil sie meistens so verschachtelt waren. So dass ich geglaubt hab, ich bin schon aufgewacht, dann ist wieder etwas passiert. Und nur wenn ich aufgestanden bin und in die Küche gegangen bin, meinen Eisbeutel wechseln, war ich mir sicher, dass ich nicht träum. Wäh, ich denk nicht gern zurück.

Ich bin, wie eigentlich jeder von uns, eine gespaltene Persönlichkeit.

Der Optimist in mir sagt:

Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Der Pessimist sagt:

Ja, aber sie stirbt.

Wem soll ich jetzt glauben?

 

Aber auch ich hab dazugelernt. Hätte mich jemand vor einem Jahr um meine Meinung zu irgendetwas gefragt, hätte ich dem Pessimisten in mir freie Hand gelassen und er hätte aus mir gesprochen. Ob es gut ist, dass ich jetzt nicht nur an den schlimmsten, sondern auch an den besten Fall denk, weiß ich nicht. Langsam aber sicher verschafft sich auch der Optimist in mir Platz; solang sie sich nicht in die Quere kommen, soll es mir recht sein.

Wie ich jetzt weiter verfahre, zwecks Facebook? Ach, keine Ahnung. Ich weiß, dass schon wieder irgendwo Fotos von mir herumgeistern. Ich werd beim Kaffeeklatsch gefragt, ob ich schon das neueste weiß, wer alles zu dem gewissen Status dazukommentiert hat, wer ihn geliked hat. Oder ich bekomm SMS, sowas wie: Warum schreibts du nicht mehr zurück? Wennst nix mehr mit mir zu tun ham willst, sags doch einfach!! :(. Und dann bin ich die, die ihren Gesprächsparner bittet, er möge mir doch jenes Foto zeigen, die, die sich dann sofort das andere Handy krallt, um den Status mit eigenen Augen zu lesen und die, die mitten in der Nacht zurückruft und das zu klären versucht, dass ich ganz bestimmt nicht böse bin und gern wieder was machen würd.

 

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Ganz ehrlich? Mir wird das zu anstrengend. Ich weiß jetzt wieder, echte Freundschaften erfordern einen gewissen Arbeit- und Zeitaufwand; ich kann dem unmöglich nachkommen.

Also:

Ich bin zurück!

Oder halb zurück.

Oder so ähnlich.

 

Ich werd maximal einmal am Tag hineinschaun, was es Neues gibt, Beiträge liken, Nachrichten zurückschreiben. Und wenn ich wieder so eine Phase hab, wenn ich merk, ok das tut mir nicht gut in meiner Verfassung auch noch Dinge zu lesen, die ich nicht wissen will – dann werd ich Facebook ein paar Tage einfach gar nicht mehr öffnen.

Ob das die beste Lösung ist?

Nein.

Ob ich stolz auf mich bin?

Nein.

Ob ich einfach nur ein bequemer, fauler Spinner bin?

Ja, eindeutig.

 

 

mortifera.

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Hier an dieser Stelle ein großes Danke, an die Leute, die letzte Woche für mich da waren. An die, die mit mir die ganze Zugfahrt telefoniert hat, mich nächste Woche besuchen kommt, sich für mich sofort frei genommen hat. An die, die über meine Spinnereien hinwegsieht und mich nicht darin unterstützt, sondern einfach mit Verständnis reagiert und so tut, als wär nie was gewesen. An die, von der ich schon länger nichts mehr gehört hab und die mir instinktiv im richtigen Moment ein SMS geschrieben und auf mich aufgepasst hat. An den, der für genug Ablenkung gesorgt hat, dem ich alles erzählen kann und der mich wieder auf den Boden zurückholt wenn ich mich in was hineinsteigere. An den, der mir gezeigt hat, dass ich einen Platz in seinem riesengroßen Herzen hab und der nicht will, dass ich einfach so verschwinde. An die, die mir an dem Abend, an dem ich gedacht hab, ich muss sofort flüchten, gezeigt hat, dass ich trotz allem willkommen bin und mir Dinge anvertraut hat, die man nicht jedem erzählt.
Und letztendlich einer noch einmal, dass sie dafür gesorgt hat, dass wir gestern doch noch einen großartigen Abend haben.

Danke.

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