Es liegt etwas in der Luft

Geschlafen hab ich diese Nacht nichts. Weiß nicht, warum. Ich hab die ganze Zeit so ein komisches Gefühl, wie als ob gleich etwas großes, einschneidendes passieren würde. Gerade zum Fenster hinausgeschaut – Schnee. Es hat geschneit. Wenn ich es öffne, kommt eiskalte Luft herein; und mit ihr einzelne Schneeflocken, mit jedem Windstoß ein paar. Eigentlich war gestern ein ganz normaler Abend: Computergespielt, zwar etwas länger als sonst, aber nicht tragisch. Um kurz vor 4 hab ich mich dann hingelegt. Hab den Fernseher noch mal aufgedreht, als ich gemerkt hab, dass ich nicht schlafen kann. Aber genauso schnell auch wieder abgedreht. Hab auf dem Handy imgur und 9gag schaun angefangen. Hab Spiele geöffnet und alle Apps nach ein paar Minuten schon wieder geschlossen.

Dann hab ich zu lesen begonnen. Das hab ich schon lang nicht mehr, aber irgendwie war er das richtige. Lichtjäger, von Susan Cooper. Eine Fantasygeschichte, nichts besonderes für mich. Das Buch ist recht dick, es ist eine ganze Saga; über 1300 Seiten hat es. Am Anfang war ich überrascht, dass ich nicht mehr so schnell lesen kann wie früher, mit der Zeit ist es aber gegangen. Als es hell wurde, hab ich aufgehört. Den Wecker am Handy, den ich auf 9 Uhr gestellt hab, ausgemacht. Mich vors Fenster gestellt, tief die frische Luft eingeatmet. Und da ist es deutlich geworden, der Grund warum ich nicht schlafen konnte. Dieses Gefühl. Ich hatte es schon ein paar Mal. Das letzte Mal war es so stark, als ich noch in meinem alten Zimmer wohnte. Damals folgte am nächsten Tag ein Mittagessen, bei dem der Satz fiel: „Weißt du schon, wer wieder single ist?“. Natürlich wusste ich es sofort. Aber das ist eine andere Geschichte.

Jedenfalls, ich hab das Gefühl. Ich kann es nicht beschreiben, es ist wie eine große Unruhe. Wie als ob man in einem Raum voller Stühle ist, jeder ist bequemer als der andere und man kann sich nicht entscheiden, in welchem man die nächsten Stunden verbringen will. Oder wie die Spannung vor einem Konzert, wo man hinter dem Bühnenvorhang steht, die Scheinwerfer auf den Boden gerichtet sind und man hört die Leute im Publikum leise miteinander reden, ein stetiges Murmeln. Wie als ob jetzt, genau in diesem Moment in dem ich aus dem Fenster schau, ein Flieger vorbeifliegt und eine Atombombe abwirft. (Ok, das ist jetzt sehr weit hergeholt, aber ich kann nicht ausdrücken, was ich mein.)

Jeden Moment könnte der Feueralarm losgehen, die Feuerwehr in mein Zimmer stürmen. Oder das Handy läuten und jemand überbringt mir die Nachricht, meine Oma sei heute Nacht entschlafen. Meine Familie hätte auf der Fahrt nach Graz einen tödlichen Verkehrsunfall gehabt.

Darauf wart ich. Auf so eine Nachricht. Auch wenn sich jetzt manche denken, ich übertreib; nein, das tu ich nicht. Ich weiß es einfach. Es ist etwas passiert, das von großer Bedeutung war, ich weiß nur noch nicht was. Genausowenig, ob es positiv oder negativ ist.

Ist jetzt zwar ein schlechtes Beispiel dafür, aber das letzte Mal, wie diese Unruhe zwar nicht so schlimm, aber doch aufgetreten ist, war das beim Umsteigen in Dubai. Als ich es nicht mehr ausgehalten hab, hab ich es meiner Mutter erzählt. „Spürst du das auch? Irgendetwas stimmt nicht. Tun sie noch was beim Gepäck herum? Mir kommt vor, es stimmt etwas nicht.“ – „Glaubst? Nein nein, mach dir keine Sorgen, die wissen schon, was sie tun.“
Wie wir dann in Wien ankamen, hieß es, Verladefehler. Ein Gast war nicht erschienen, sein Koffer musste aus dem Rumpf geholt werden. Dabei seien die Koffer, die herausgenommen worden waren, vergessen worden. Ich hatte schon vor Ort gespürt, es stimmt etwas nicht.
Das passiert mir öfters.

Aber ich hab Angst. Damals, als ich genau das selbe Gefühl hatte, ungefähr in dieser Stärke, passierte etwas gutes. Etwas, womit ich nicht gerechnet hatte, aber was ich mir insgeheim von Herzen gewünscht hatte. Und diesmal hab ich Angst, dass es was schlechtes sein könnte. In genau dem selben Ausmaß wie damals, nur halt nicht positiv, sondern negativ.

Ich hab die ganze Nacht nicht geschlafen, fühl mich trotzdem wach wie schon lang nicht mehr, meine Sinne sind geschärft, keine Spur von Übermüdung. Ganz ehrlich, wenn jetzt eine Eule an mein Fenster fliegen würde und mir einen Hogwarts-Brief mitgebracht hätte, ich würde es glauben.

 

m.

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Eine Antwort zu Es liegt etwas in der Luft

  1. Temmo Usstah' schreibt:

    Da ich in chronologischer Reihenfolge les hoff ich immer dass es noch erklärt oder aufgelöst wird wenn sowas geheimnisvolles passiert – aber leider is das selten der Fall. Sogar ich, der dich mehr oder weniger kennt, bin mir teilweise nicht sicher um was oder wen es grade geht! ^^ Aber gut, das is wahrscheinlich beabsichtigt. 😛

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