Egal

So. Das erste Mal seit fast einem Jahr, dass ich meinen Opa besuchen fahr und es mir nicht schlecht geht. Sonst bin ich immer geflüchtet, in eine Welt, die noch heil ist. Hier kenn ich fast keinen, es gibt niemanden in meinem Alter, ich kann zur Ruhe kommen. Muss keine Termine einhalten. Schalt das Handy auch mal aus und mach’s erst am Abend vor dem Fernseher wieder an. Und genieß es dann aber, mit meinen Freunden zu schreiben.
Vor einem Jahr, das weiß ich noch ganz genau, kurz vor den Sommerferien. Das war das letzte Mal, dass ich hier am genau diesem Ort gelegen, mich nicht allein gefühlt und in den Schlaf geheult hab.
Aber seit dem einen Wochenende ist alles anders. Zuerst dachte ich, ich hätte alles im Griff und das werde sich schon wieder legen, aber denkste! Zwei Wochen später war Sendepause.
Und später dann, in einem anderen Kapitel, im Herbst: Wo ist er heut, mit wem geht er fort, warum schreibt er nicht. Klingt jetzt ein bisschen stalkermäßig, ist wahrscheinlich auch übertrieben, aber die Gewissheit, dass wenn er nicht bei mir war, in der Nacht eine andere im Arm hält, war einfach nur schrecklich.
Ist sie immer noch. Obwohl es längst keinen Grund mehr dazu gibt.

Heute ist der erste Abend seit langer länger Zeit, an dem mir keine Träne die Wange hinunterrollt. Sie sind einfach weg; versiegt. Es geht nicht mehr, ich würd so gern, ich hab einen Druck auf der Brust dem ich nachgeben will aber es geht nicht. Aber ich hab aus der Vergangenheit gelernt. SMS und verzweifelte Anrufe bringen mein vermeintliches Glück nicht wieder zurück. Ist besser so. Red ich mir jedenfalls ein.

Ach was soll das alles denn. Wem mach ich was vor.

Dem Klavierspieler sicher nicht. Der ist mir böse. So richtig. Hab ihn vor den Augen seiner Freunde beleidigt und als asozial beschimpft und anderen geholfen, einen Freund von ihm zu mobben und zu demütigen. „Jetzt kenn ich ja deinen wahren Charakter, ich bin überrascht, wie lang du es geschafft hast, ihn vor mir zu verbergen. Du bist kein guter Mensch.“ Das hat er gesagt, am nächsten Tag dann.
Natürlich hab ich mich schon längst entschuldigt.
Aber er kann es nicht verstehn. Mir ist alles egal. Echt alles. Und das ist nicht meine Einstellung. Ein Anruf von Zuhause: Oma liegt im Krankenhaus. Meine Reaktion: keine. Ich sag Danke, leg auf und setz mich aufs Bett. Warte auf den Schock, auf irgendwas das kommt. Aber da ist nichts. Das war so der Punkt an dem ich mir gedacht hab, so nicht. So echt nicht.
Und ich hab nicht immer die Kraft mich zu verstecken und die glückliche Fassade, dass alles ok ist, aufrechtzuerhalten. Der Alkohol hat sie mir einfach weggespült.
Ich frag mich, wie viele Ausrutscher unsere Freundschaft noch aushalten kann.
Aber dann denk ich an die Folgen, kurzfristig wie langfristig, und ich komm immer zu dem selben Schluss. Mir doch egal.

m.

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