Asche zu Asche, Staub zu Staub.

Hintergrundmusik während dem Lesen (optional)

 

Ach lassts mich doch alle in Ruhe. Ich hatte die Wahl. Und hab mich entschieden.
Kein Mensch kann von Grund auf ändern, wer er ist. Er kann nur seine Gewohnheiten anpassen. Oder er findet Leute, die sich nicht daran stören.
Ich bestimm selbst, mit wem ich was zu tun haben will. Wen ich treffen will, mit wem ich spiele oder meine Abende verbring. Zur Zeit bin ich sowieso lieber allein. Das allabendliche Ausgehen ist seltener geworden; sehr selten. Nur, wenn mich jemand fragt oder einlädt. Ich selber hab im Augenblick keine Motivation, mich zu melden und Leute anzuschreiben. Ok, falls jetzt bei irgendjemandem die Alarmglocken läuten, von wegen jeden Abend allein im Zimmer sitzen und womöglich trinken oder schlimmeres: Ich kann euch beruhigen. Es ist nichts dergleichen. Ich bin nur gern allein. Mit meinen Büchern. Ja, ich hab wieder angefangen, zu lesen. Viel. Sehr viel. Und zum Klavierspielen. Mozart Sonaten, Hayden, Chopin – zum Glück kann ich noch alles, hab fast nicht verlernt in dem halben Jahr in dem ich jetzt eigentlich, wenn überhaupt, Korrepetition gemacht hab und keine virtuosen Stücke.

 

Ich werd langsam, aber sicher wieder die Alte. Die, die sich gern zurückzieht und den Abend vor dem Computer oder mit einem guten Buch verbringt statt sich in den 5. Stock, wo immer was los ist, haut oder in die Stadt was trinken geht. Insgeheim lache ich mir ja schon manchmal ins Fäustchen, wie viele Leute gerade ihre Gehirnzellen irreparabel schädigen weil sie sich ohne Grund mitten unter der Woche betrinken. Und wie groß manche Leber wohl schon sein muss. (Ja, ich denk da an ganz konkrete Personen.) Ich weiß genau, dass sie fast jeden Abend auf „ein Bier“ wohingehen. Ja, das hab ich auch fast ein Jahr jetzt gemacht. Aber ich hab nicht mehr das Bedürfnis, unter Leuten zu sein, unangenehme Situationen wegtrinken. Nicht um jeden Preis. Und wenn der Preis jener ist, dass ich die Gesellschaft Mancher oder einer Gruppe, die nur Bekannte sind, nichts für mich tun, mich eigentlich nicht kennen, nur über Blödsinn reden, ertragen muss, sitz ich lieber allein in meinem Zimmer. Und horch in mich hinein, was würde mir gut tun? Ich glaub, ich bin auf einem ganz guten Weg. Mein Fehler war es, anderen zu vertrauen, mich abhängig und verletzlich zu machen. Ich bin ja vorher auch gut zurechtgekommen. Mir hat das nie was ausgemacht, Verhältnisse einfach zu beenden, andere zu verletzen. Jetzt hab ich das selber mitbekommen. Tja, Pech gehabt. Aber an das hab ich mich schon gewöhnt: für mich gibt’s kein Happy End. Jedenfalls keines, das ich klar vor Augen hätte. Das ist nur Wunschdenken.

Aber es ist ja nicht so, dass sich keiner um mich kümmerte. fff meldet sich jeden Tag, kommt vorbei und klopft an, achtet darauf, dass ich die Abende nicht allein verbringe. Nett, aber auch nur Ablenkung. Nach ein, zwei Runden Mario Kart verschwind ich auch schon wieder in meine WG. Einige wenige Freundinnen von früher schreiben ab und zu liebe SMS. Im 5. war ich schon ewig nicht mehr. Wann ich das letzte Mal in den letzten 7 Tagen was trinken war? 2 Mal Mollys. Aber auch nur, weil ein Kumpel aus den Niederlanden da ist, der mich jeden Abend angeschrieben hat, ob ich nicht doch vorbeischaun will. Und bei einer Bekannten war ich zum Essen eingeladen. Ja, ich sag absichtlich Bekannte. Ich werd so schnell niemandem mehr vertrauen und ihn als Freund bezeichnen.

 

 

Ich weiß nicht mehr, wo mir der Kopf steht. So viel zu lernen, so viel. Ich hab alles jetzt fast ein Jahr ziemlich schleifen lassen. Zeit hab ich eigentlich keine mehr. Donnerstag bis 21 Uhr auf der Kunstuniversität. Sogar heut hatte ich Uni. Probe, mit dem Orchester. Martin Requiem. Am Dienstag Konzert, heute erst die 2. Probe mit den Instrumentalisten. Na da bin ich mal gespannt. Momentan übertönen uns die Bläser, wir hören nicht, was wir da eigentlich singen. Wie die Leute im Publikum verstehen sollen, WAS wir singen, bzw DASS wir überhaupt singen, ist mir schleierhaft. Aber nachdem es ein Requiem ist, die meisten nicht fließend Latein beherrschen, nehmen sie wahrscheinlich an, dass wir die ganze Zeit „Tooood, Tooood“ singen. Nein, keine Ahnung. Am Montag, einen Tag vorher, hab ich ein anderes Konzert. Jetzt kommt grad alles zusammen. Ich bin froh, dass ich nächstes Wochenende nicht da bin. Daheim lässt es sich zwar nicht leichter lernen, aber ich hab mehr Ablenkung.

Am liebsten würd ich grad auswandern, irgendwohin, wo ich niemanden kenn, ein neues Leben anfangen. Und diesmal nichts falsch machen. Aber ich lern stattdessen. Was soll ich denn sonst tun? Ich geb mein bestes. Und ich glaub, wenn man mich jetzt trifft, würde man nie erahnen, wie es mir geht. Die ganze Suderei bekommts also nur ihr ab, meine lieben Leser. Entschuldigung dafür. Die nächsten Artikel werden wieder lustiger. Und allgemeiner. Versprochen.

Heute muss ich noch Wäsche waschen. Das ist immer eine Möderprozedur hier im Heim. Nicht nur, dass der Weg so weit ist, der Balanceakt von Waschmittel, 50Cent-Münzen (ja, die neuen Stromzähler lassen sich nicht mehr austricksen), eigentlicher Wäsche und gegebenfalls Weichspüler ist jedes Mal aufs neue unsicher, ob er gelingt. Ich mach mich jetzt gleich mal auf die Suche nach dem Schlüssel. Der geistert irgendwo im Heim herum. Irgendwo.

Off topic: Warum ich genau diese Musik gewählt hab? Sie läuft seit dem ich angefangen hab, zu schreiben, im Hintergrund. Und ich hab das Gefühl, dass sich mein Gehirn in der Zeit aufräumt, neu ordnet, kurz: defragmentiert.

Weil ich schon Fachwörter verwend – Gedankensprung: Zwei meiner Computer hab ich geschrottet, wie, ist mir selber nicht ganz klar, aber ich werd sie schon wieder hinbekommen. Seit Wochen steht (zumindest der eine) schon herum. Aber ich hab bis jetzt keine Zeit gefunden, mich damit zu beschäftigen.

Morgen kommen fff und E wieder. Dann bin ich nicht mehr allein. Dann muss ich wieder drauf schaun, dass mein Zimmer jederzeit aufgeräumt ist. Dass ich immer was akzeptables anhab. Und dass ich wieder in regelmäßigen Abständen zu humanen Zeiten was ess. Ist zwar nicht so angenehm, wie allein zu sein, aber es bewahrt mich davor, den Anschluss völlig zu verliern.

Nächste Woche, wenn der Stress mit den Konzerten vorbei ist, werd ich mich wieder bei ein paar Leuten melden, denen ich in letzer Zeit immer abgesagt hab. Das nehm ich mir jetzt mal vor. Vielleicht lesen ein paar das jetzt auch und wissen, ich hab sie nicht vergessen; im Gegenteil. Ich bin froh, Freunde zu haben, die einem nicht böse sind, wenn man sich länger nicht meldet, aber wenn man sich dann trifft, ist alles wie früher.

 

 

May the 4th be with you.

 

m.

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