Über Bücher, Horoskope und was sonst noch so dazugehört

Heute zum Frühstück hab ich Zeitung gelesen und bin dabei über einen interessanten Artikel gestolpert.

http://derstandard.at/1371170248539/Befreiung-durch-Lesen

Danach hab ich ziemlich lange darüber nachgedacht, und bin zu dem Schluss gekommen, dass Lesen heutzutage viel zu sehr in Vergessenheit geraten ist. Die Kinder werden in der Schule dazu gezwungen; die meisten lesen eher schlecht als recht, sinngemäßes Lesen ist für viele ein Fremdwort.

Dabei begreifen sie nicht, was das Wunderbare am Lesen ist. Für mich war es Fernsehersatz, Freundesersatz und die Fluch in eine andere Welt, wenn mir die Realität zu viel wurde.

Und ich kann es gar nicht sagen, wie dankbar ich Gutenberg und seinen beweglichen Lettern bin. Durch ihn sind Bücher für die breite Masse leistbar geworden und für alle Schichten zugänglich. Ich sehe in Büchern eine Vorform des Internets; die Leute konnten die selbe Information zur (fast) gleichen Zeit in unterschiedlichsten Gebieten bekommen. Damit hat damals eigentlich schon die Globalisierung begonnen; mit der Verbreitung Gedankengutes an viele Menschen gleichzeitig.

 

Ich persönlich bin mit Unmengen an Büchern aufgewachsen. Mir wurde immer vorgelesen. Hauptsächlich von meinem Vater, der damals einer der ersten Männer war, die in Karenz gingen.  Ob Bilderbücher, Gedichtbände, Pixibücher oder Bilderlexika. Stundenlang und an allen möglichen Orten. Zuhause, im Park, am Spielplatz, im Schwimmbad, vorm Schlafengehen. Wenn ich jetzt so zurückdenke, glaub ich, es müssen mindestens 2-3 Stunden pro Tag gewesen sein. Schon zu der Zeit besaß ich im Wohnzimmerregal 2 Reihen, die ausschließlich für meine Bücher reserviert waren.
Auch wenn die Oma später auf mich aufpasste; vorgelesen wurde immer. Bei ihr waren es aber hauptsächlich Gedichte. Aus dem Band von James Krüss „So viele Tage wie das Jahr hat“, nämlich 365 kann ich heute den Großteil noch auswendig. Meine Lieblinge aus der Zeit? „Herr Hahn und Fräulein Huhn“ und „Herr Messer und Frau Gabel“. Letzteres ist von Christian Morgenstern. Den hab ich auch heiß geliebt.

Später, als wir umzogen, bekam ich eigene Regale. Mindestens 9 Reihen waren voll mit Büchern. Ich las bei jeder Gelegenheit. Wenn ich von der Schule heimkam, nach dem Hausaufgaben machen, im Freibad, wenn wir an den Reichramingbach fuhren, oder im Garten draußen. Ich tauchte ein in Fantasiewelten, fieberte mit fiktiven Personen mit und steigerte mich in die Handlung hinein. Durch das Hineinversetzen hab ich gelernt, gelesene Situationen auf die Realität zu beziehen; bei Problembehandlungen oder auch im Alltag, alle Möglichkeiten zu bedenken. Um immer auf alles vorbereitet zu sein.

 

Als ich schon etwas älter war, ging mir der (von der Allmächtigen selektierte) Lesestoff allmählich aus, also wagte ich mich an die Regale meiner Eltern. Ich las mal Science Fiction-Romane von meinem Vater, dann aber wieder kulturell wertvolle Literatur der Allmächtigen, die mir im Deutschunterrich immense Vorteile verschafften, ich kannte die meisten der durch genommenen Bücher dann schon. Die beiden besaßen zusammen so viele Bücher, dass ich bis heute nicht fertig bin. Es gibt Kisten im Keller, große Umzugskartons voller Bücher; es gibt die riesigen Wandregale, die alle schon doppelt bestückt sind, sprich, es versteckt sich noch eine Reihe Bücher hinter der ersten. Und die unzähligen Exemplare, die in der ganzen Wohnung verteilt sind. Mit dem Hinterherräumen kommt schon lange keiner mehr nach. Fernseher haben wir bis heute keinen.

Was mich aber an der ganzen Sache traurig macht und meine Euphorie dämpft, ist das heutige Denken. Jetzt muss man sich schon zusammenreißen, um nicht zu intellektuell aufzufallen. Lieber Anpassen an die Menge. Ob das das Richtige ist? Ich fühl mich manchmal sehr unwohl dabei. Aber genau diese Furcht, zu intellektuell zu wirken, sagt mir, dass da was gewaltig schief läuft in unserer Gesellschaft. Dummheit ist zum Bildungsideal geworden; wer trotzdem lernt und sich weiterbildet (zum Beispiel jetzt durch lesen), wird als Streber und Besserwisser degradiert. Ob es Neid ist, oder unterdrückter Zorn gegenüber sich selber, weil man es nicht schafft, so konsequent mit sich zu sein; ich weiß es nicht. Oder ist es die Bequemlichkeit der neuen Zeit, wo man alles vorgekaut bekommt, alle Informationen zu jeder Zeit an jedem Ort verfügbar sind, ich weiß es nicht. Fest steht, keiner rührt auch nicht einen Finger mehr, als er unbedingt muss. Und muss sich das Erfolgserlebnis, dass sich einstellt, wenn man viel weiß und auf fast alles eine Antwort hat, anderswo holen. Sei es damit, Streber niederzumachen, um sein Glückszentrum Gehirn zu befriedigen.

Indem man Dummheit über Bildung stellt.

Gratulation an die breite Masse der Menschheit.

 

Bis jetzt hab ich nur wenige getroffen, mit denen ich mich auf gleicher Ebene unterhalten hab können. Aus meiner ehemaligen Klasse sind einige dabei. Dann Mo. Und auch Fötzchen, manchmal. Bei anderen erkenn ich die richtigen Ansätze, die aber aufgrund des Umfelds unterdrückt werden oder gar nicht erst richtig ausgebildet sind.

Ich sag nicht, ich bin was besseres. Ich sag nicht, alle anderen sind dumm.

Falls das jemals so rüberkommt (und ja, ich weiß, dass manche so über mich denken), tut es mir leid.

Ich sag nur danke, dass meine Eltern drauf geachtet haben, das Bestmögliche aus mir herauszuholen.  Und mir damit ein Geschenk gemacht haben, von dem ich mein Leben lang profitieren werde.

Ich seh bestimmt nicht auf diejenigen herab, die nicht das Glück hatten, so engagierte Eltern zu haben. Oder einfach welche, die ihre Prioritäten anders gesetzt haben.

Früher hab ich mich oft darüber geärgert, dass ich nicht so sein durfte wie alle anderen. Jetzt aber weiß ich es zu schätzen.

 

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„Du wirst eine Aussprache mit jemandem haben“, sagt meine Glücksnuss. Shit, reden kann ich nicht. Schreiben geht da schon viel, viel besser. Beim Schreiben komm ich meinem Gehirn grad noch hinterher. Beim Reden fang ich einen Satz an, bau die Kernaussage ein, nehm ein rhetorisches Stilmittel dazu; ja ich formulier gerne schön, spiel mit den Worten. Aber noch während ich sprech, denk ich schon an den nächsten. Und dann kommt manchmal nur Blödsinn aus meinem Mund.

Gut, dass ich nicht an so Sachen wie die Glücksnuss glaub. Das ist das Selbe wie mit Horoskopen. Und Homöopathie. Und Schüssler Salzen. Und Grander Wasser. Alles Blödsinn. Aber wie immer gilt: unschuldig bis zum Beweis der Schuld.
Über das Thema könnt ich auch so viel schreiben… Ganz kurz gefasst: Ich bezieh es jetzt mal auf Homöopathie. Medikamente brauchen Studien. Studien belegen, wie viele Leute eine Verbesserung und wie viele eine Verschlechterung ihres Zustandes über einen gewissen Zeitraum gehabt haben. Sie definieren die Menge und die Zeit der Einnahme. Und die Nebenwirkungen. So viel sei gesagt, das ist der Kernsatz der Forschung: keine Wirkung ohne Nebenwirkung.
Nun ja, Homöopathische Präperate haben ja keine Nebenwirkungen. Damit ist der Folgeschluss: auch keine Wirkung. Was zur eingebildeten Heilung führt, sind andere Faktoren, die zufällig auftreten. Weiters ist nicht definiert, wie das Mittel einzunehmen ist. Das reicht von schwammigen Aussagen wie „3-5 Globuli 2 Mal am Tag“ bis zu „alle 3-9 Minuten eine Tablette auf der Zunge zergehen lassen“.
Die Packungsbeilagen, falls überhaupt vorhanden, erinnern an Horoskope. Auf alles und jeden zu interpretieren und zu beziehen.

Packungsbeilage für Kinderzäpfchen

Erklärung, wie man Horoskope interpretiert (Auch auf die Packungsbeilage zu beziehen.)

Unterhaltsam, aber mehr auch nicht. Komischerweise gibt es so viele verschiedene Horoskope für das selbe Sternzeichen jeden Tag, (von mir auch für den selben Aszendenten). Aber alle sagen sie was unterschiedliches, ja teilweise sogar gegensätzliches, aber trotzdem finden sich tausende an gläubigen Menschen, die überzeugt sind, daraus ihr Schicksal ablesen zu können. Die gehen halt unsicher durchs Leben und brauchen etwas, an dem sie festhalten können, ähnlich wie Religion; anders kann ich mir das nicht erklären.

 

So, jetzt aber genug gequatscht.

Einen schönen Sonntag wünsch ich euch.

 

mortifera.

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Eine Antwort zu Über Bücher, Horoskope und was sonst noch so dazugehört

  1. Temmo Usstah' schreibt:

    Der große Dad hat mir mal was beigebracht, dass ich seitdem stets versucht hab in mein Leben einfließen zu lassen: Wahrhaft intellektuell ist weder der, der sich mit einem Obdachlosen unterhalten kann, noch der der sich mit einem hochrangigen Akademiker unterhalten kann. Ein wahrhaftig Intellektueller kann beides und wird von beiden Gesprächspartnern akzeptiert und respektiert. 😉

    ___

    …und an dieser Stelle mal sry dass ich deinen Blog so vollspamme, hab den Link in meiner Favoritenliste versteckt gefunden und stoß jetzt nach einem Jahr auf so viel tolles Material, dass ich das Gefühl hab zu Allem und jedem irgendwie meinen Senf dazugeben zu wollen. Verzeih mir bitte Mortifera, ich hoff insgeheim du freust dich drüber, dass ich dich ein wenig daran teilhaben lass was ich mir denke, wenn ich jetzt schon die ganzen alten Texte lese. Ich freu mich drüber, ist als würde man festgetretene Erde auflockern. 🙂

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