Der Tag an dem ich aufhörte, „beeil dich“ zu sagen

Ich bin immer im Stress. Jeder, der mich kennt, weiß das. Egal um welche Art Verabredung es sich handelt, ich bin mindestens 10 Minuten früher dort. Wenn ich Freunde besuchen komm, geht sich immer noch mindestens eine Runde um den Häuserblock aus. Wenn ich eine Vorlesung besuch, ist der Raum meistens noch besetzt, weil die vorherige noch nicht fertig ist.
Mit der Zeit kann man aber nicht mehr alles schaffen. Man kommt durcheinander, die Termine überschlagen sich. Da eine Vorlesung auf der Hauptuni, hier eine Probe dazwischengeschoben auf der Kunstuni. Und dann noch kurz dazwischen auf einen Kaffee in die Stadt. Am besten während des Tages noch den Abend planen. Und das wichtigste: nie zu spät kommen.

Ja ich weiß, ich bin in der Hinsicht Perfektionist. Aber, aber, aber – Pünktlichkeit ist doch eine gute Charaktereigenschaft? Nur, dass ich damit jeden nerv. Nicht nur Superman, auch meine Freunde und zu Hause gibts genau deswegen mindestens 3 Mal am Tag Streit. Zusätzlich.

Bin ich ein schlechter Mensch, nur weil ich anderen Leuten das Gefühl vermitteln will, dass sie sich auf mich verlassen können? Es ist aber wie ein Zwang, selbst wenn ich mir am Weg oft schon denk „Super, jetzt hast du es schon wieder gemacht. Noch eine Viertelstunde Zeit. Und jetzt?“
Aber es gibt mir ein Gefühl der Kontrolle. Ich hab genügend Zeit, mich auf alle möglichen Szenarien vorzubereiten. Das mach ich übrigens meistens am Weg im Kopf. Worst Case, Best Case, alle möglichen Abstufungen dazwischen, wie sich alles ändert nur weil man es in einem anderen Tonfall sagt… Jedenfalls, ich versprech mir dadurch Sicherheit.

Dass ich andere Leute damit nerv, hab ich schon am Rande so mitbekommen, aber das wars auch schon. Mein Leben, meine Zeiteinteilung, sollen die doch schaun, wo sie bleiben, auf mich jedenfalls ist Verlass, wenn ich sag, ich bin um diese Uhrzeit dort und dort. Da bin ich dann auch.

Aber – Superman. Ich weiß, es ist eine Ausnahmesituation, wenn wir immer mehrere Tage auf 12 Quadratmeter zusammengequetscht leben, aber ich hab dann immer so ein schlechtes Gewissen. Kommandier ihn herum, treib ihn zur Eile an und mach mir und ihm damit das Leben schwer. Was eigentlich gar nicht sein müsste, denk ich mal.
Gesagt, getan. Ich hab mich die letzten Tage zurückgehalten und extra bemüht. So auf die Art: Lassen wirs mal, wir werden schon sehen, wo uns das hinbringt. Hat leider zu meinem Ärgernis recht gut geklappt, bis auf die Tatsache, dass er heut nicht mit dem Zug um halb 11, sondern erst um halb 12 gefahren ist.

Das werd ich ändern. Einfach mal versuchen, keine anderen mit hineinzuziehen in meinen Stress. Dieses Wochenende bin ich in Linz, da kann ich das gleich mal ausprobieren.

 

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Ad letzter Mittwoch: Ich würd so gern sagen, ich mag alles vergessen, was war, wie ich mich aufgeführt hab und am Schluss das ziemlich schlimme Telefonat mit Superman. Nur das Problem dabei – ich erinner mich an nichts. Jedenfalls kaum. Und es ist mir so peinlich, dass ich bitte nie nie nie wieder drüber sprechen will. Superman hat mir verziehen. Ich weiß nicht mehr, was ich ihm gesagt hab, aber er war ziemlich verletzt. Mo – was immer du auch noch weißt, bitte behalts für dich. Ich würd den Abend gern aus meinem Leben streichen.

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Ich hab das Gefühl, immer wenns grad richtig gut läuft, mach ich es kaputt. Bitte sagts mir, dass das normal ist und jeder ab und zu mal so über sich denkt?

 

eure einerseits hoch motivierte, andererseits völlig unsichere

morti

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Eine Antwort zu Der Tag an dem ich aufhörte, „beeil dich“ zu sagen

  1. Mo schreibt:

    Ist normal. 😛

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