Ist das erst der Anfang?

Tja, wie soll ich sagen: gerade noch beschwert, dass ich nichts zu erzählen hab, und dann passiert so was.

Aber ganz von vorne. Ich bin am Montag heimgekommen, hab meine Unisachen geschnappt und bin gegangen. Nett, wie der Herr Professor so ist, hat er natürlich extra viel Zeit für uns gehabt; auf Deutsch: er hat über eine Stunde überzogen.
Nach einem langen, anstrengenden, nervenaufreibenden 5-Minuten-Heimweg, der an keinem einzigen offenen Kebap-Stand vorbeigeführt hat, war ich endlich zu Hause. Nur um festzustellen, dass auch meine letzte Gabel über das Wochenende verschwunden ist.

Also hab ich mal meine ganzen Kästen durchgekramt und eine Liste der Sachen geschrieben, die ich seit den Sommerferien vermisse. Ein ganzer A4-Zettel voll. Den hab ich 2 Mal kopiert und in der Küche aufgehängt. Mit Datum drauf. Und der Bitte, dass nach den Osterferien vielleicht einiges wieder auftauchen würde. Auch dem Stockwerksprecher hab ich Bescheid gesagt. Und heute früh war ich im Büro. Das volle Programm.

Was soll ich denn tun? Ich weiß genau, dass ich die Sachen wahrscheinlich nie wieder sehen werd, aber es geht mich an, dass jedes Mal, wenn ich wegfahr und nach ein paar Tagen wieder komm, irgendwas fehlt. Und das soll aufhören. Von mir aus kauf ich auch Sachen nach, wenn sie dafür nicht verschwinden. Ich kann ja nicht den Inhalt von 3 Küchenkasteln in meinem Zimmer verstauen!

Jedenfalls, ich hab euch ja schon mal von unserer netten WG-Gemeinschaft erzählt. Freundlichkeit und Zusammenhalt werden da ganz groß geschrieben. Jeder nimmt Rücksicht auf die anderen, ist zuvorkommend und hilfsbereit. NOT.
Ich will ja gar keine supergute Beziehung zu den anderen, stilles, normales Nebeneinanderherwohnen würde mir schon reichen. Aber falsch gedacht. Gestern, als sie die Zettel bemerkt haben, ist das Gebrüll losgegangen. Und sie haben gleich mal die Nette aus dem 2. Zimmer rausgeklopft. Naja, sie haben wohl gedacht, ich bin nicht zuhause und haben im Gang zu lästern angefangen.
Was ich mir einbilde, das hätte ja sowieso keinen Sinn, ich bekäme ja doch nichts zurück. Warum ich überhaupt so asozial bin und mich nicht in die Gemeinschaft eingliedere. (Wie die 3 anderen in der WG – Zufall?) Dass sie sich sicher, ja zu 100% überzeugt seien, ich nähme genauso Geschirr von anderen und borge mir etwas aus. (Wenn ich an die grauslichen Töpfe und Teller denk, auf denen der Fettrand von letzter Woche vor sich hin modert, kommt mir das Grausen. Nicht zu schweigen von den halb abgewaschenen Geschirr in den Schränken, wo man noch deutlich die Schlieren, gemischt mit Essensresten erkennt. Vielleicht bin ich etwas neurotisch veranlagt, aber mir graust derart vor fremden Tellern, dass ich nur bei bestimmten Freunden kochen und essen will.) Und sie behaupteten, ich sei sowieso gegen Gott und die Welt, verbreite nur schlechte Stimmung in der WG und sei beratungsresistent.
Ich bin im Zimmer gesessen, hab gemerkt, wie mein Körper eine Adrenalinwelle nach der anderen durch mich schickt. Der Herzschlag in den Ohren übertönte alles. Ich kann es nicht leiden, wenn jemand schlecht über andere spricht. Und wenn ich der Jemand bin, schon gar nicht.
Ich bin einfach raus in den Gang. Erschrockene Blicke. Stille. Buh, Überraschung! Auf „Habts ihr vielleicht eine Ahnung, wo mein Geschirr ist? Ich hab nicht mal mehr eine einzige Gabel.“ kam nur Schweigen. Dann die ersten Anschuldigungen. Dass ich allen ernstes glauben würde, sie hätten das alles geklaut? Wo ich den sei? Sie hätten auch keine Ahnung, es könne nur die Putzfrau gewesen sein.
Ok. Tief Luft holen. Wie schon geschrieben, es ist mir total egal, wer das gemacht hat, ich hätt nur gern wenigstens ein paar Dinge zurück. Und dass das aufhört. Und ich werd morgen ins Büro runter gehen.
Stimmungswechsel – auf einmal sind alle freundlich, scherzen sogar. (wtf?!) „Ja, geh runter, und dann kannst sagen, meine Sachen fehlen auch. Eine Liste hab ich auch aufgehängt.“ – die Nette aus dem 2. Zimmer.
Heut in der Früh: Eine ziemlich kleinlaute Mortifera betritt das Büro. Zitternd hält sie der Sekretärin den Zettel hin. Und erklärt, dass sie gestern Abend müde war und überfordert und dass sie eig nicht der Typ ist, der gleich überall hinrennt, aber das gestern war zu viel. Der Stein, der alles ins Rollen gebracht hat.
Sie, überraschenderweise überaus mitfühlend, weiß, dass ich schon einmal im Büro war, zu melden, dass wir in der WG einige Probleme haben, sagt, sie kümmert sich darum. Nimmt den Zettel an sich, stürzt zur Tür hinaus in den Keller hinunter und platzt in die Morgenbesprechung/das Frühstück der Putzfrauen. Fährt alle an, ob sie irgendetwas wüssten. Meine weiß natürlich Bescheid von der Lage, kann aber nichts machen. Sie war es sogar, die mir geraten hat, die Heimleitung endlich einzuschalten.

Als ich wieder hinaufgehe, kommt mir das schlechte Gewissen. War das nicht vielleicht ein zu drastischer Schritt? Hätt ich nicht doch noch warten sollen?

Nein. Mir fehlen 26 Sachen, ich bin zu faul, sie jetzt alle abzutippen. Die ganze Aktion soll jetzt einfach alle wachrütteln. Es geht nicht, dass einfach Sachen verschwinden. Egal wie. Mir ist klar, ich werde wahrscheinlich nichts mehr wiedersehen. Aber ich kann nicht mehr einfach nichts sagen. Ich hab gedacht, es ist nicht viel, was fehlt, aber wie ich die Liste geschrieben hab, ist mir klar geworden, ich hätt schon viel früher außenstehende Personen einschalten sollen.

Am Vormittag war dann noch mal die Putzfrau da und hat mir Recht gegeben, es war gut, dass ich unten war. Es gehe schon viel zu lange so und ihr glaube man nicht mehr, weil sie sich schon zu oft beschwert hat.

Der nächste Besucher war unser lieber Stockwerksprecher, der auch schon im Büro war und mich auch bestärkt hat, es war richtig und er stehe voll und ganz hinter mir.

Ich hab niemandem Namen genannt; ich kann nichts nachweisen. Ich hab nur immer wieder erwähnt, dass die Probleme erst seit den Sommerferien bestehen. Seltsamerweise hat die 3 Jahre vorher immer alles reibungslos geklappt. Ich will niemanden beschuldigen, aber ich fang an, mich unwohl zu fühlen. Das hab ich unserem Stockwerksprecher auch mitgeteilt. Ich erwäge ernsthaft, auszuziehen.

—————————–

Und noch für Leute, die nicht so ganz wissen, wie das bei uns läuft mit Geschirr und so:

Wir müssen selber abwaschen, haben keinen Geschirrspüler. Normalerweise sollte das gleich nach dem Essen geschehen, wir sind immerhin 6 Personen, da kommt einiges zusammen. Wenn jedoch jemand sein gebrauchtes Geschirr in der Spüle stehen lässt, und das Tagelang, wandert es erst einmal in eine Kiste neben den Kühlschrank. Dort bleibt es noch einige Tage und man hat Zeit, den Abwasch nachzuholen. Geschieht das nicht, lassen die Putzfrauen den Inhalt entweder in den Müll oder einen Raum im Keller wandern.

Daraus entsteht auch mein Problem. Anscheinend werden sogar namentlich markierte Kasteln als Gemeingut angesehen. Und der Inhalt auch fleißig genutzt. Aber wenn es ums Abspülen geht, geht der Gegenstand anscheinend auf magische Art und Weise wieder an den Besitzer über, egal ober der anwesend ist oder nicht.

Und da ich meistens 5 Tage oder länger weg bin, kann ich das nicht mitbekommen, wenn so etwas mit meinen Sachen geschieht. Die Putzfrau kann auch nicht wissen, was jetzt mir gehört und was nicht. Sie weiß nur, dass ich mein dreckiges Geschirr extra im Zimmer lass, damit es ja nicht von ihr in der Früh unabsichtlich weggeräumt wird. Wenn die anderen meine Sachen nehmen, hab ich da keine Chance.

Das ist jedenfalls meine Vermutung, wie die ganze Situation zu Stande gekommen sein könnte.

 

eure (noch immer ziemlich aufgewühlte)

morti.

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