Closer to the edge

Es wird nie wieder werden. Nie. Das soll jetzt nicht depressiv klingen, oder dass ich so viele Sachen und Entscheidungen bereu, sondern das ist einfach so. Die Zeit lässt sich nicht zurückdrehen.

Gott liebt dich. Gott hört dir immer zu. Gott ist für dich da, wenn du ihn brauchst. Gott beschützt dich.
Es sind schöne Botschaften, die ich von klein auf eingetrichtert bekommen hab. Irgendwie eine Form von „du schaffst alles“.
Ich kann mich noch daran erinnern, wie ich etwa im Kindergartenalter im kleinen Zelt, das ich im Wohnzimmer aufgebaut hab, sitz, und mich dort auf einem Polster zusammenkauere. Das Kissen liegt dort, weil ich gerade Puppenkrankenhaus gespielt hab und das war ein Krankenzimmer. Jedenfalls ist gerade ein Streit mit der Allmächtigen vorangegangen und ich lieg dort, tränenüberströmt, meine Erzeugerin mit jeder Faser meines Körpers hassend, so viel, dass mir fast der Kopf platzt. „Bitte lieber Gott, bring mir eine neue Mama. Eine andere. Eine, die so ist wie die in den normalen Familien. Tausch sie einfach aus. Du kannst dafür jemand anderes aus unserer Familie zu dir nehmen… Die K-Oma zum Beispiel, die sehn wir eh nur so selten. Bitte, bitte hilf mir.“ (Rückblickend ziemlich arg, welche Gedanken ich mit 5 Jahren schon gehabt hab.)
Jedenfalls, 2004 ist die K-Oma gestorben. Völlig unerwartet und nach einem Routineeingriff.  Und die Allmächtige wurde immer extremer. Seit Omas Tod bin ich davon überzeugt, dass ich die Schuldige bin, und auch davon, dass ich die ganze Sache noch verschlimmert hab. Bei dem nächsten Streit mit der Allmächtigen war mir klar: Sie war wirklich ein anderer Mensch geworden, aber nicht in die Richtung, in die ich mir das gewünscht hätte.
Ich hatte ein Monster erschaffen.
Seit dem Augenblick hat sich etwas in mir verändert. Ich bin stets auf der Hut, weil ich das Gefühl hab, mit Menschenleben gespielt zu haben.
Ob ich schon dafür gestraft worden bin? Vielleicht hat mein Unfall auf Menorca mit 7 Jahren etwas damit zu tun. Bei dem ich fast verblutet bin und sowas wie eine Nahtoderfahrung gemacht hab. (Irgendwann hab ich mal damit angefangen, ein Buch darüber zu schreiben, bin aber nie über das 3. Kapitel hinausgekommen.) Ich bin mir auch zu 80% sicher, dass das Atmen und Rascheln von Kleidung, sobald ein Raum dunkel ist, daher kommt.

Jahrzehnte später, 2010, war Maturaball. Ich glaub, es war die Zehn-Uhr-Einlage, ich bin mir nicht mehr sicher. Jedenfalls hat die Bakip (Kindergartenzweig) sie damals gestaltet. Eine von ihnen hat vorne auf der Bühne Klavier gespielt und gesungen. Ich weiß nicht warum und hab es mir zu dem Zeitpunkt nicht erklären können, wahrscheinlich war es Eifersucht, weil ich selbst gern aufgetreten wär; ich hatte für einen klitzekleinen Moment den Gedanken „Verschwind einfach!“ im Kopf. Hört sich jetzt nicht so makaber an, aber am Montag in der Schule wurde bekannt, dass sie sich am Tag nachher erhängt hat. So richtig mit Abschiedsbrief und drum und dran.
Und was hat das Ganze mit mir zu tun? Naja, ich hab seit dem irgendwie das Gefühl, schon zwei Menschenleben auf dem Gewissen zu haben.

 

Warum ich? Seitdem ich klein bin, passieren mir ständig solche Dinge (nicht nur in so großem Ausmaß, das sind die, die mir jetzt noch schlaflose Nächte bereiten.) Ich hab immer geglaubt, ich bin anders. Spätestens mit 11, als ich keinen Brief aus Hogwarts erhalten hab, war mir klar, ok, dann wart ich halt, bis ich im Altersheim sitz, irgendwann wird ein Mann im Umhang mit langem weißem Bart und magischem Holzstab an meine Tür klopfen, mir sagen, dass ich die Auserwählte bin, und mich mitnehmen in eine andere Welt.

 

 

Aber die Vorstellung, dass es unendlich viele Dimensionen/Universen gibt, und zwar jedes Mal eine neue, wenn wir uns nur entscheiden, welches Auge wir in der Früh zuerst öffnen und ob wir weiße oder blaue Socke anziehen, ist doch irgendwie ziemlich tröstend. Oder?

 

 

Oh, aber mit Superman passt alles, falls sich jemand gerade fragt.

m.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter die Welt der mortifera, the universe and everything veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s